Steuerbefreiung und Anonymität in Einem – Die Schottische Limited Partnership!

Bleiben wir doch im Norden der EU und schauen uns dort noch etwas um, ob nicht vielleicht eine spannende Alternative im Vergleich zu dem Sonderprogramm des NON-DOM-Status in UK uns vielleicht das Leben versüßen kann.
In der Tat werden wir fündig, wenn wir uns etwas auf schottisches Terrain begeben. Schottland!? Ja Schottland hat außer den Highlands, den Central Lowlands und Southern Uplands doch noch mehr zu bieten. Schottland gehört zum vereinigten Königreich Großbritanniens und Nordirlands und umfasst das nördliche Drittel von Großbritannien.
Mit ihrer Hauptstadt Edinburgh, die seit 1437 Hauptstadt ist, gehört Schottland mit ihren knapp 5,4 Mio. Einwohner wohl eher zu den kleineren Länder Europas. Davon leben knapp 500.000 alleine schon in der Hauptstadt. Allerdings ist Edinburgh nicht die größte Stadt in Schottland! Dieses Privileg hat Glasgow und kann mit knapp 600.000 Einwohner aufmarschieren. Im Großen und Ganzen war es das an großen Städten in Schottland (ohne einen Schotten zu verärgern), danach haben wir noch Aberdeen und Dundee, die sich zwischen 100.000 und 200.000 Einwohner aufhalten und alle anderen Städte, liegen deutlich unter der 100.000 Einwohner Marke.

Noch einen Satz zu den Sommertemperaturen, die sind um die 18 ºC eher als frisch einzustufen. Wobei man auch schon mal Höchsttemperaturen von etwas über 32 ºC gemessen hat. Also Schottland ist wohl nix für Wassernixen und Sonnenanbeter.

Aber mit Sicherheit muss sich Schottland nicht verstecken, wenn es um Steuerbefreiung von Unternehmen im internationalen Vergleich geht. Das “kleine” Schottland hat hier was zu bieten, was überaus interessant ist und mit den ganz Großen aus Europa, wie Malta, Zypern oder Irland durchaus mithalten kann. Schauen wir uns das mal genauer an…

Vorteile einer schottischen Limited Partnership

  • Steuerbefreiung, wenn kein UK Bezug (dazu unten mehr)
  • Anonymität (Gesellschafter stehen nicht im Handelsregister)
  • EU Gesellschaft
  • Keine Bilanzpflicht
  • Keine Veröffentlichung der Begünstigten (neue Regelung seit 2016)

Die Rechtsform der Limited Partnership (LP) gibt es schon relativ lange (seit über 100 Jahren) und ist in etwa mit der deutschen Kommanditgesellschaft (KG) zu vergleichen. Wie auch bei der deutschen LP haftet der Komplementär (General Partner) mit all seinem Vermögen für die Belange der Gesellschaft. Der Kommanditist (Limited Partner) haftet nur mit seiner Einlage. (es können auch mehrere Kommanditisten sein) Wegen dem Haftungsrisiko des General Partners wird oft hierzu eine Kapitalgesellschaft (Corp. oder Ltd.) verwendet.

Steuerbefreiung

Einer der wohl auffälligsten Vorteile ist, dass die schottische LP in UK nicht steuerpflichtig ist. Die Voraussetzung dazu ist, dass sie keinerlei Bezug zu dem vereinigten Königreich (UK) haben darf. Die Limited Partnership darf also keinen UK-Gesellschafter haben, keine Kunden aus dem vereinigten Königreich, keine Betriebsstätte und darf auch nicht der Ort der Leistungserbringung sein. Die Adresse, an der die LP registriert ist, sollte kein Büro sein und nicht den Anschein erwecken, dass es hier geschäftlich hoch her geht.
Wir erinnern uns: keine Betriebsstätte!
Wenn Du diese Vorgaben erfüllst und Dich auch daran hältst, dann kannst Du sehr viel Freude mit diesem Konstrukt haben.

Achja, die Komplementärgesellschaft, z.B. eine US Gesellschaft muss natürlich auch nicht versteuern, sofern es keinen Bezug zu den USA gibt. (im Prinzip das Gleiche, wie bei den Bedingungen der LP) Es muss zwar eine Steuererklärung gemacht werden (Nullerklärung), allerdings fallen keine Steuern an, da die US Gesellschaft auch keine Umsätze im Inland tätigt.

Anonymität – hohe Vertraulichkeit

Ein weiterer spannender Vorteil einer solchen schottischen Gesellschaft (LP) ist, dass außer dem Namen der Gesellschaft nur noch die Adresse im Handelsregister eingetragen ist – that’s it! Auch ist die LP nicht dazu verpflichtet die oder den wirtschaftlichen Begünstigten zu benennen. Also durchaus eine anonyme Angelegenheit.

Unterschied zur englischen Limited Partnership (LP)

Es gibt in der Tat auch in England eine solche Rechtsform, die sich in nur wenigen Punkten von der schottischen LP unterscheidet.
Z.B. gehört Vermögen oder Eigentum, welches die englische LP erworben hat, nicht der Gesellschaft, sonder den Gesellschaftern. Bei der schottischen LP gehört das Vermögen in der Tat der Gesellschaft und ist auch ohnehin eine eigene Rechtspersönlichkeit – die englische LP nicht.
Die schottische Limited Partnership mit allen anderen erdenklichen Rechtsformen zu vergleichen, macht an dieser Stelle keinen Sinn. Denn letztendlich kommt es doch immer wieder darauf an, was Du für ein Geschäft betreibst und was Du vorhast.

Fazit

Abschließend muss man sagen, hat die schottische LP durchaus ihr Vorteile und Highlights. Sei es die steuerfreie Vereinnahmung von Gewinnen oder ihre Anonymität. Beachtenswert ist sie allemal und kann, sofern Du dafür in Betracht kommst, bei Deiner unternehmerischen Strategie durchaus ein Rolle spielen.
Bedenken und in Deine Strategie mit hinein fließen sollte aber auch, sofern Du in einem Hochsteuerland lebst, eventuelle steuerliche Negativwirkungen. (Stichwort: Außensteuergesetz)
Lebst Du in einem Land welches keine Außensteuergesetze (CFC-Rules) kennt, dann musst Du Dir über steuerliche Nebenwirkung weniger Gedanken machen. Dennoch kann es sein, dass Du am Wohnsitzstaat Deine Einnahmen versteuern musst, es sei denn, Du wohnst in einem Land, welches Auslandseinkünfte nicht besteuert, wie z.B. Malta.

Steuerfrei in Großbritannien leben!

Großbritannien verbinden wir gut und gerne immer mit schlechtem Wetter (wobei es in Wirklichkeit gar nicht so schlecht ist), eine Queen, die wenig zu sagen hat, Hochenglisch (das Englisch schlecht hin), elitäre Universitäten und vielleicht noch mit hohen Lebenshaltungskosten – ach ja, Fußball natürlich auch!
Ob jeder das so empfindet, kommt wahrscheinlich auch auf den Blickwinkel, die persönlichen Interessen und die Größe des Geldbeutels an. Was die Lebenshaltungskosten anbelangt, da könnt Ihr euch schon mal auf der Webseite Numbeo schlau machen. Dort findet Ihr übrigens auch andere Städte die ihr in Vergleich setzen könnt.

Auf jeden Fall sagt Numbeo, dass die Lebenshaltungskosten in England 4,42% geringer sind als in Österreich – wäre hätte das gedacht. Allerdings, wenn Du vorhast dort eine Wohnung zu mieten, dann musst Du schon tiefer in die Tasche greifen, denn hierfür zahlst Du schon über 16% mehr als wiederum in Österreich. Klar, es ist abhängig in welcher Stadt oder auf welchem Dorf Du wohnst, aber durchschnittlich gesehen kommt das schon hin. Schau es Dir am besten selber an.

Eine Spielwiese der Reichen

Wen diese Vergleiche wohl überhaupt nicht interessieren, sind den Superreichen. Wieso komme ich gerade auf diese? Ganz einfach, weil jede Menge dieser Megareichen dort leben – und nicht, weil Sie dort geboren wurden oder weil es dort so kuschelig warm ist, sondern weil die Steuern in Großbritannien so sexy sind.
Wie wir allerdings wissen und ich auch in anderen Berichten immer wieder erwähnt habe, gehört Großbritannien doch zu den Hochsteuerländer. Also, wieso gehen die Reichen nach England?? Das liegt an einer Sonderform, welches in England, Irland, Malta und auch in Zypern möglich ist. Wobei Zypern eine Sonderform ist, welche ich in einem anderen Bericht erläutern werde.

NON-DOM-Status

Der NON -DOM-Status machst möglich. Der NON-DOM-Status gibt es in UK (United Kingdom = vereinigtes Königreich und dazu gehört auch Irland) mittlerweile schon seit über 200 Jahren und findet heutzutage nach wie vor seine volle Anwendung. Hintergrund ist der Unterschied im angelsächsischen Steuerverständnis zwischen “Resident” und “Domicile”. D.h. “Resident” bedeutet dort wohnen und “Domicile” bedeutet dort sesshaft zu sein. Also die “normalen” “domicilen” Bürger von England sind dauerhaft sesshaft und sind somit mit ihrem Welteinkommen in England zu versteuern.
Das gleiche gilt übrigens für Irland. Als sesshafter Ire musst Du Dein Welteinkommen auch dort versteuern.

Hast Du Dir als Ausländer einen NON-DOM-Status ergattert, dann musst Du nur in Großbritannien und Irland versteuern, wenn die Quelle auch britisch ist. D.h. wenn Du Einkünfte, Umsätze in Großbritannien erzielst, dann müssen diese auch dort versteuert werden. Die Besteuerung liegt dann bei zwischen 20-45% – nicht wirklich wenig.

Generierst Du allerdings Einkünfte außerhalb von England und Irland und diese Gelder fließen nicht nach England (Remittance-Base = Überweisungsklausel), dann sind diese Einkünfte steuerfrei. Wenn Du also die im Ausland (aus Sicht von England oder Irland) erwirtschafteten Gelder im Ausland lässt (Konto im Ausland), dann sparst Du Dir die Abgeltungssteuer, Einkommenssteuer, Kapitalertragssteuer, usw.

Wenn Dir allerdings ein Unternehmen aus UK Geld auf Dein Auslandskonto überweist, dann musst Du das wiederum in UK versteuern, was dann ebenfalls sehr unattraktiv ist. Auch wenn Du physisch in Großbritannien Dein Geld verdienst und das ganze aber irgendwie offshore abwickelst, ist es dennoch in Großbritannien offline und auch dort zu versteuern.

Also einfach und zusammenfassend ausgedrückt heißt das, wenn Du einen NON-DOM-Status in UK inne hast, wird alles dennoch versteuert was eine Quelle in Großbritannien hat oder was nach Großbritannien fließt bzw. überwiesen wird. (Remittance Base) Lebst Du in England und generierst Deine Einkünfte im Ausland und lässt sie auch dort (aus Sicht von England), dann zahlst Du keine Steuern.

Wie bekommt man einen NON-DOM-Status?

Im Prinzip jeder Ausländer kann diesen erhalten – wiederum aus Sicht von Großbritannien, oder auch jemand, der in Großbritannien geboren wurde und Nachkommen bis zur zweiten Generation in einem anderem Land nachweisen konnte. Vermögenden Familien hatten auch die Möglichkeit genutzt, eine Kind im Ausland zu gebären. Finanziell war das nicht wirklich eine Herausforderung für solche Familien, dass die Mutter kurz vor einer Geburt in ein passendes Ausland zog, dort das Kind zur Welt brachtet und dann wieder heimkehrte.

Das nennt man dann Geburtstorismus und wird auch heutzutage immer noch genutzt. Vor allem in den USA. Schwangere Mexikanerinnen fahren vor der Geburt nach USA und gebären dort Ihr Kind. Automatisch erhält das Kind einen amerikanischen Pass. Ob ein amerikanischer Pass jetzt das goldene vom Ei ist, wage ich zu bezweifeln, denn die Besteuerung von US-Bürgern ist an deren Staatsbürgerschaft gekoppelt. Und zum zweiten, willst Du Dich Dein Leben lang mit der IRS, der amerikanischen Steuerbehörde, herumschlagen?

Nun denn, auf jeden Fall ist es auch bei dem englischen NON-DOM-Status genauso. Bist Du außerhalb Großbritanniens geboren, dann konntest Du Dich Dein Leben lang in England aufhalten und im besten Fall, sofern Du nur Einkünfte im Ausland generierst, nie Steuern zahlen.

Der britische NON-DOM-Status in der Kritik

Wenn sich irgendwo relativ viele Millionäre und sogar Milliardäre tummeln und man stellt fest, dass diese so gut wie keine Steuern zahlen, dann schafft das schon etwas Unmut bei Politiker und deren Gefolgschaften. Obwohl diese NON-DOM-Regelung in UK absolut wasserdicht und rechtlich sauber ist. Es wurde also in jüngster Vergangenheit auf höchster Ebene über diesen NON-DOM-Status diskutiert und einige Änderungen vorgenommen. Diese Änderungen betrifft zum Einen den englischen Staatsbürger.

Oben hatte ich erwähnt, dass englische Staatsbürger, die bis zur zweiten Generation Nachkommenschaft im Ausland nachweisen können, auch unter diese NON-DOM-Regelung fallen. Diese wurde allerdings abgeschafft! D.h. der NON-DOM-Status gilt nur noch für Ausländer!
Auch wurde die völlige Abschaffung dieses Staus diskutiert. Allerdings ist die wirtschaftliche Macht, allen voran die Millionäre und Milliardäre und deren Einfluss, schon relativ groß.
Ja, es ist richtig, sie generieren Gelder im Ausland und zahlen in UK keine Steuern! Was dagegen steht und wo auch die Milliardäre in England schon Einfluss haben, ist dass diese freiwillig viele Gelder in England lassen und investieren, wie z.B. der russische Milliardäre Abramovich mit seinem Fußballclub FC Chelsea, der Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan mit Machester City oder sie investieren in öffentliche Veranstaltungen und Universitäten.

So wie einst der britische Schatzkanzler George Osborne argumentierte, dass es ein unkluger Schachzug wäre, sich mit den ausländischen Millionäre und Milliardäre anzulegen und diese vor die Tür zu setzen oder hoch zu besteuern, sofern man den NON-DOM-Status abschaffen würde, sollte man es so belassen, da diese sehr reichen Leute auch freiwillig sehr viel Geld in England lassen.

Neuerungen im englischen NON-DOM-Reglement

Somit bleibt der NON-DOM-Status in Großbritannien weiterhin bestehen mit kleinen aber verkraftbaren Einschränkungen.
Es wurde eine Pauschalbesteuerung eingeführt und diese besagt, dass wenn Du den NON-DOM-Status weiterhin nutzen willst, dass Du von 30.000 Pfund bis 90.000 Pfund jährlich pauschal zu zahlen hast. (die Höhe der Zahlung ist abhängig von der Aufenthaltsdauer in Großbritannien – je länger, desto teuerer) Für die Megareichen ist das nicht wirklich eine Einschränkung und für alle anderen ist es ein Rechenexempel. Und ganz ehrlich gesagt, lohnt sich ein solcher Akt (Wohnsitzverlagerung nach UK mit Kind und Kegel usw.) sowieso erst ab einer gewissen finanziellen Größenordnung. Allerdings megareich musst Du nicht sein.

Wenn Du z.B. in England lebst und gründest eine Gesellschaft in den USA und diese erwirtschaftet jährliche Provisionseinnahmen von ca. 600.000€ mit Partnern, die nicht in UK sitzen, dann kannst Du diese Geld steuerfrei vereinnahmen. In den USA hast Du nichts zu versteuern, außer eine Pauschalbesteuerung von ca. 150-350$/Jahr (kommt auf die Gesellschaftsform an), sofern Du keine Umsätze in den USA tätigst.

Also wie Du siehst, kann man auch schon mit wenig Umsätzen sich steuerlich besser stellen, als in Deutschland. Dagegen halten muss man natürlich Gründungs- und Verwaltungskosten, die allerdings im Vergleich zu den überhöhten Steuern in Deutschland sehr gering sind und Gründungskosten auch nur einmalig anfallen.

Beantragung des NON-DOM-Status

Die Beantragung des NON-DOM-Status ist nicht wirklich eine große Herausforderung, da es keine wirklichen Anforderungen gibt. Das einzige was Du beachten solltest ist, dass Du den Antrag richtig stellst und Dir dazu auch am besten einen sehr guten Rechtsanwalt besorgst. Ich habe diese Kontakte, schreib mir einfach.

Ist der NON-DOM-Status in Großbritannien für mich das richtige?

Gute Frage – nächste Frage! Wenn wir mal die persönlichen Belange außen vor lassen, da diese jede wirtschaftlich-strategische Ausrichtung eines Unternehmens über Board werfen kann, muss ich immer wieder sagen:”Es kommt darauf an”.
Es kommt darauf an, welches Business Du betreibst, welche Umsätze werden erzielt, Gewinne, Vermögensverhältnisse, Schulden, Leichen im Keller, Immobilienbesitz, Erbschaft, Strategie, anstehende Insolvenz usw. Möglich ist, dass gerade auf Grund Deiner Situation Großbritannien mit seinem NON-DOM-Status für Dich überhaupt nicht in Frage kommt, sondern eher Malta oder Zypern oder keines von denen. Vielleicht bevorzugst Du auch eher ein Land ohne Außensteuergesetz, denn dann musst Du Dir am wenigsten Gedanken machen, wo Du wie Geld verdienst und wie Du es versteuerst.
Es gibt jede Menge steuerliche, strategische und internationale Gestaltungsmöglichkeiten die es zu berücksichtigen gilt bzw. die man nutzen kann und sollte. Pauschallösungen gibt es allerdings nicht!